Vermögensverteilung und Steuern

Wie ist Vermögen in Österreich verteilt?

Laut Zahlen der Österreichischen Nationalbank aus dem Jahr 2023 besitzen die reichsten 10% der österreichischen Haushalte rund die Hälfte des gesamten Nettovermögens – also des gesamten Vermögens abzüglich Schulden. Die ärmere Hälfte verfügt hingegen nur über 4% davon. Analysen des World Inequality Lab, welches die höchsten Vermögen genauer erfasst, kommen zu noch deutlicheren Ergebnissen: Das reichste 1% besitzt demnach 30% und das reichste Zehntel über 60% des gesamten Vermögens.

Nicht nur die Höhe des Vermögens unterscheidet sich zwischen Haushalten, sondern auch seine Zusammensetzung. Rund ein Viertel der Haushalte verfügt über ein Nettovermögen von weniger als 20.000€, bei etwa 40% liegt es unter 50.000€. Diese Haushalte haben kaum Vermögensgegenstände, sie wohnen fast ausschließlich in Mietverhältnissen und halten ihr Vermögen vor allem im Sparbuch und durch den Besitz eines Autos.

In den höheren Vermögensgruppen steigt das Vermögen deutlich an und die Vermögenszusammensetzung verändert sich. Der Median des Nettovermögens – also jener Wert, bei dem die eine Hälfte der Haushalte mehr und die andere Hälfte weniger Nettovermögen besitzt – liegt bei 125.000€. Das reichste Zehntel hat ein Nettovermögen von über 795.000€. In der oberen Mittelschicht (damit sind die vermögenderen 50% der Haushalte ohne die reichsten 10% gemeint) steckt das Vermögen größtenteils im Eigenheim. Bei den vermögendsten 10% gewinnen zusätzlich weitere Immobilien an Bedeutung.

Mit weiter steigendem Vermögen verschiebt sich die Vermögenszusammensetzung erneut. Für Österreich liegen dazu keine Daten vor, vergleichbare Ergebnisse aus Deutschland zeigen die abnehmende Rolle von Immobilien: In der oberen Mittelschicht beträgt ihr Anteil rund 68% des Vermögens, beim reichsten 1% sinkt dieser Anteil auf etwa 50% und beim reichsten 0,1% auf nur noch ein Viertel. Gleichzeitig gewinnen Unternehmensbeteiligungen stark an Bedeutung: Diese machen beim reichsten 1% rund 30% und beim reichsten 0,1% bereits mehr als die Hälfte des Vermögens aus.

Vermögensungleichheit besteht jedoch nicht nur zwischen verschiedenen Haushalten, sondern auch zwischen Frauen und Männern. Ähnlich wie beim Gender Pay Gap wird beim Vermögen von einer Gender Wealth Gap gesprochen. Diese Vermögenslücke beträgt in Paarhaushalten im Median 15% und bei Alleinlebenden 24%.

Insgesamt zeigen die Daten, dass Vermögen in Österreich sehr ungleich verteilt ist und sich in seiner Zusammensetzung stark unterscheidet. Während die Mehrheit der Haushalte nur über wenige Vermögensgegenstände verfügt, konzentrieren sich hohe Vermögen zunehmend in Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Zusätzlich verdeutlicht die Gender Wealth Gap, dass Vermögensungleichheit auch zwischen Frauen und Männern besteht.