Klimapolitik und Klimaökonomie

Klimafinanzierung

Wie viel kostet die Dekarbonisierung der Wirtschaft in der Europäischen Union?

Klimaschutz ist mehr als „nur Geld ausgeben“. Dennoch steht fest, dass wirksamer Klimaschutz neben ordnungspolitischen Maßnahmen (z.B. ein verpflichtendes Aus für Verbrennermotoren oder für Öl- und Gasheizungen im Gebäudebestand) erhebliche Investitionen erfordert. Die Investitionsbedarfe für die Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft sind enorm und wissenschaftlich gut belegt: Für das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 sind jährliche Zusatzinvestitionen von 2 bis 6 % der EU-Wirtschaftsleistung erforderlich. Nicht berücksichtigt sind bei diesem Vorschlag Investitionen in die Klimawandelanpassung.

Welche Rolle spielen private und öffentliche Investitionen?

Private Investitionen werden einen Großteil der wirtschaftlichen Transformation stemmen, doch auch die öffentliche Hand muss eine tragende Rolle spielen. Der öffentliche Investitionsbedarf wird auf mindestens 1 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung pro Jahr geschätzt (Das entspricht etwa dem gesamten derzeitigen EU-Budget über sieben Jahre hinweg, rund 1135 Mrd. EUR). Diese öffentlichen Investitionen spielen eine zentrale Rolle beim sozial-ökologischen Umbau. Eine Ausweitung öffentlicher Investitionen kann einerseits private Investitionen mobilisieren und eine Finanzierung von Forschung und Weiterbildungsmaßnahmen sichern, die aufgrund reiner Marktlogik nicht ausreichend bereitgestellt wird. Andererseits können nationale und kommunale Investitionen dazu dienen, öffentliche nachhaltige Infrastrukturen als Alternative zu bestehenden CO2-intensiven und teureren privaten Lösungen zu schaffen. Dies kann eine sozial verträgliche Umstellung insbesondere in den Bereichen Energie, Gebäude und Transport begünstigen.

Wie viel kostet die Dekarbonisierung der Wirtschaft in Österreich?

Für Österreich ist die Studienlage dünner. Eine umfassende Erhebung des Umweltbundesamts schätzt bis 2040 einen Bedarf an jährlichen Gesamtinvestitionen zwischen 46,8 und 64,5 Mrd. Euro, um weitgehende Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, vor allem in den Bereichen Industrie, Verkehr, Energie und Gebäude. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Gesamt- und Mehrinvestitionen. Mehrinvestitionen sind nur jene Ausgaben, die zusätzlich zum Szenario mit bestehenden Maßnahmen anfallen. Ohnehin notwendige Ersatzinvestitionen werden ebenso abgezogen.

Gesamtinvestitionen und Mehrinvestitionen nach Sektoren
(in Mrd. EURO zu Preisen von 2024)

Gesamtinvestitionen
2024-2040
Mehrinvestitionen
2024-2040
Bereich unten Bereich oben Bereich unten Bereich oben
Energie 155,9 174,5 38,5 83
Industrie 16 28 8,6 15,4
Gebäude 303,8 438,3 10,3 15
Verkehr 273 391,8 45,1 65,3
Summe 748,7 1032,6 102,5 178

Quellen: Umweltbundesamt

Sind diese Investitionen volkswirtschaftlich bewältigbar?

Die Mehrinvestitionen für Österreich sind mit 6,4 Mrd. bis 11,2 Mrd. deutlich geringer als die Gesamtinvestitionen und entsprechen 1,1 Prozent bis 1,9 Prozent des durchschnittlichen jährlichen BIPs über den Zeitraum 2024 bis 2040. Von diesen Mehrinvestitionen fallen pro Jahr etwa ein Drittel im privaten Sektor (Unternehmen und Haushalte) und etwa zwei Drittel im öffentlichen Sektor (Sektor Staat und öffentliche Unternehmen) an. Die Studienautor:innen betonen: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt und an den gesamten Investitionen der Volkswirtschaft ist der zusätzliche Finanzierungsbedarf überschaubar. (Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kosten des Nichthandelns beim Klimaschutz bereits jetzt die öffentliche Hand mindestens im Ausmaß von 5,4 Mrd. bis 7 Mrd. EURO belasten.) Darüber hinaus wirken insbesondere Investitionen in die Energiewende als Impulsgeber für den Arbeitsmarkt, indem sie die Beschäftigung erhöhen und die Arbeitslosenquote senken.

In welche Sektoren muss zusätzlich investiert werden?

Im Investitionsszenario des Umweltbundesamtes erfolgt im Energiebereich eine Umstellung auf Strom, Wasserstoff und andere erneuerbare Energieträger. Dazu braucht es die Technologien zu deren Bereitstellung und die entsprechende Ladeinfrastruktur. Damit verbunden ist eine teilweise Umstellung des Anlagenparks in der Industrie und zusätzliche Investitionen in die Heizungsumstellung und Sanierung von Gebäuden. Der Ausbau und die vermehrte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Umstellung auf E-Mobilität erlaubt eine weitgehende Dekarbonisierung im Verkehrsbereich. Verbleibende Verbrennungsmotoren, etwa bei landwirtschaftlichen Maschinen und Baumaschinen sollen mit Biotreibstoffen betrieben werden.