Budgetplanung

Ab welcher Höhe werden Staatsschulden eigentlich zum Problem?

Staatliche Ausgaben – etwa für die Förderung von Schulen und Universitäten, die Unterstützung der Krankenkassen oder Renten – stehen im Budget den Einnahmen vor allem durch Steuern gegenüber. Viele nationale Regierungen nehmen außerdem jährlich Schulden auf, um die staatlichen Ausgaben zu finanzieren. Dafür werden sogenannte Staatsanleihen für eine bestimmte Zeitspanne verkauft – wer so eine Anleihe kauft, gibt dem Staat dadurch quasi einen Kredit. Während man diese Staatsanleihe besitzt, erhält man die Zinsen als Rendite, und nach dem Ende der Laufzeit muss der Staat das geliehene Geld wieder zurückzahlen. In Österreich lag der Zinssatz für langfristige Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren 2025/26 bei 3,25 – 3,45% jährlich.

Die Tragfähigkeit von Staatsschulden

Einerseits gibt es Konsequenzen für EU-Mitgliedstaaten, wenn sie sich nicht an die Maastricht – Schuldenregeln halten – dazu mehr in diesem Erklärtext (Link Maastricht-Text). Aber es gibt auch seit Jahrzehnten eine anhaltende Debatte zwischen Ökonom:innen und im öffentlichen Raum darüber, ob die staatliche Verschuldung eines Landes allgemein ab einer bestimmten Höhe riskant wird. Zunächst einmal: Was heißt hier riskant? Damit wird sich auf die Tragfähigkeit oder Nachhaltigkeit von Schulden bezogen. Ganz allgemein sind Schulden tragfähig, wenn die Schuldnerin dazu in der Lage ist, das geliehene Geld inklusive Zinsen zum festgelegten Zeitpunkt wieder vollständig zurückzuzahlen.

Wenn Regierungen Schulden aufnehmen, hängt diese Nachhaltigkeit von verschiedenen Faktoren ab: Besonders ausschlaggebend sind die Höhe des Zinses und das Wirtschaftswachstum. Denn während der Zinssatz quasi den Preis für die Verschuldung festlegt, ist das BIP-Wachstum entscheidend für die Staatsverschuldungsquote (definiert als Bruttoverschuldung des Staates im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukts oder BIP). Wenn die Zinskosten größer als das jährliche Wachstum sind, steigt diese Quote, wenn sie niedriger liegen, dann sinkt sie und stabilisiert dadurch die Verschuldung. In Österreich lag das durchschnittliche nominale BIP-Wachstum zwischen 2010-2019 bei 3,2% pro Jahr, und in 2025 bei 3,8%, während der Zinssatz in 2025/26 bei 3,25 – 3,45% jährlich liegt.

Schuldenspiralen und selbst-erfüllende Prophezeiungen

Dieser Zusammenhang kann allerdings auch gefährliche Dynamiken erzeugen: Bei einem Schock, wie etwa hoher politischer Instabilität, verlangen Investoren manchmal deutlich höhere Rendite, um diese Unsicherheit zu kompensieren. Mit steigender Renditeerwartung bzw. Zinsen, wird es dann für den Staat schlagartig deutlich teurer, Schulden aufzunehmen. Insbesondere, wenn die Anleihen nur eine kurze Laufzeit haben, kann so ein Staat schnell eine sehr hohe Verschuldung aufbauen oder sogar zahlungsunfähig werden.

Auch wenn Staaten bereits sehr hoch verschuldet sind, erwarten manche Investoren, dass es riskanter ist, dessen Staatsanleihen zu kaufen. Diese Erwartung kann dann zu einer selbst-erfüllenden Prophezeiung werden: Mit steigender Risikoerwartung steigen auch die Zinsen, und der Staat hat noch höhere Ausgaben. Dadurch steigt die Verschuldung weiter. Diese spiralartige Dynamik erhöht irgendwann auch das tatsächliche Risiko eines Zahlungsausfalls.

Es gibt also nicht pauschal einen Punkt, ab dem Staatsverschuldung direkt riskant für ein Land wird. Stattdessen beeinflusst eine Bandbreite von Faktoren die Nachhaltigkeit der aufgenommenen Schulden. Manche davon liegen dabei klar außerhalb des Handlungsspielraums einer Nationalregierung, wie etwa das plötzliche Auftreten externer Krisen oder Konflikte. Andere, wie die innenpolitische Stabilität oder Industriepolitik, beeinflussen die Wirtschaftsentwicklung und das Vertrauen der Finanzmärkte von innen heraus.